IP65 ist die Schutzart, die bei robusten Laptops und Tablets am häufigsten auftaucht. Sie wird regelmäßig mit „wasserdicht" gleichgesetzt – und genau das ist sie nicht. Dieser Beitrag erklärt, was die beiden Kennziffern nach DIN EN 60529 im Einzelnen zusichern, wo die Grenze zu IP66 und IP67 verläuft, und welche Geräte aus unserem Sortiment IP65 tragen. Die Geräteangaben stammen aus den Herstellerdatenblättern; jede Zeile ist im jeweiligen Datenblatt mit ihrer Quelle hinterlegt.
IP steht für „International Protection", im englischen Sprachraum meist als „Ingress Protection" wiedergegeben – Schutz gegen Eindringen. Die beiden Ziffern sind in DIN EN 60529 festgelegt und stehen für zwei voneinander unabhängige Eigenschaften: die erste für den Schutz gegen feste Fremdkörper und Berührung, die zweite für den Schutz gegen Wasser.
Bei IP65 bedeutet die erste Ziffer 6: das Gehäuse ist staubdicht. Es dringt kein Staub ein, nicht nur keine schädigende Menge. Das ist die höchste Stufe der ersten Ziffer; darüber gibt es nichts. Die zweite Ziffer 5 bedeutet: geschützt gegen Strahlwasser aus jeder Richtung.
Hinter der 5 steht ein festgelegter Prüfaufbau, keine Einschätzung. Geprüft wird mit einer Düse von 6,3 Millimetern Durchmesser, einem Volumenstrom von 12,5 Litern pro Minute und einem Druck von 30 Kilopascal, aus drei Metern Abstand, über mindestens drei Minuten und aus allen Richtungen. Besteht das Gerät diese Prüfung ohne schädliches Eindringen von Wasser, gilt die zweite Ziffer als erfüllt.
Praktisch heißt das: Regen, Spritzwasser, das Abspritzen mit dem Gartenschlauch und die Reinigung an einem Waschplatz sind abgedeckt. Ein Hochdruckreiniger ist es nicht, und Untertauchen ebenfalls nicht.
Beide Klassen sind staubdicht – die erste Ziffer ist identisch. Der Unterschied liegt allein in der zweiten. Für IP66 wird mit einer Düse von 12,5 Millimetern geprüft, mit 100 Litern pro Minute und 100 Kilopascal. Das ist rund das Achtfache des Volumenstroms und das Dreifache des Drucks von IP65.
Für die Auswahl bedeutet das: Wo mit kräftigem Wasserstrahl gereinigt wird, etwa in der Lebensmittelverarbeitung oder an Landmaschinen, ist IP66 die passende Angabe. Für Baustelle, Werkstatt und Außendienst deckt IP65 den üblichen Fall ab.
Hier liegt die häufigste Verwechslung. Die Ziffernfolge legt eine Rangfolge nahe – 7 ist mehr als 5 –, aber die beiden Prüfungen messen unterschiedliche Dinge. IP67 verlangt, dass das Gerät 30 Minuten in einem Meter Wassertiefe übersteht. Es verlangt nicht, dass es Strahlwasser aushält.
Ein Gerät mit IP67 ist also nicht automatisch auch nach IP65 geprüft. Wo beides gebraucht wird, muss der Hersteller beide Klassen ausweisen – und genau das steht dann auch im Datenblatt. Aus einer einzelnen Angabe lässt sich die jeweils andere nicht ableiten.
Nach den Herstellerdatenblättern tragen 15 der 45 dokumentierten Geräte die Kennzeichnung IP65. Geeignet sind mehr – dazu der Abschnitt darunter:
| Gerät | Display | Schutzart | MIL-STD | Gewicht |
|---|---|---|---|---|
| Fieldbook N101G2 | 10,1 Zoll | IP65 | MIL-STD-810H | 1,140 kg |
| Fieldbook P101 | 10,1 Zoll | IP65 [1] | MIL-STD-810G | 1,14 kg |
| Fieldbook P122G2 | 12,2 Zoll | IP65 | MIL-STD-810G | 1600 g [4] |
| Fieldbook P80 | 8 Zoll | IP65 [1] | MIL-STD-810H | 910 g |
| Fieldbook Rc300 | 13,3 Zoll | IP65 | MIL-STD-810G | 2,1 kg |
| Getac A140 | 14 Zoll | IP65 | MIL-STD-810H, MIL-STD-461G | 2,3 kg |
| Getac T800 | 8,1 Zoll | IP65 | MIL-STD-810H, MIL-STD-461G | 880 g |
| Getac T800 Ex Atex | 8,1 Zoll | IP65 | MIL-STD-810G | 0,91 kg |
| Getac V110 G3 | 11,6 Zoll | IP65 | MIL-STD-810H, MIL-STD-461G | ca. 2,1 kg |
| Getac X500 | 15,6 Zoll | IP65 | MIL-STD-810G, MIL-STD-461G | ca. 5,2 kg |
| Getac X500 Server | 15,6 Zoll | IP65 | MIL-STD-810H, MIL-STD-461G | – |
| RuggON Sol 7 | 12 Zoll | IP65 | MIL-STD-810H, MIL-STD-461G | 1,5 kg |
| RuggON Spark 7 Gss Rtk Android 14 Flight Controller | 7 Zoll | IP65 | MIL-STD-810H | – |
| RuggON Viking Ii 07A | 7 Zoll | IP65 | MIL-STD-810H | 1,25 kg |
| RuggON Vortex 07X | 7 Zoll | IP65 | MIL-STD-810H | 1,67 kg |
Die Tabelle oben listet Kennzeichnungen, nicht Eignung. Wer IP65 benötigt, kann ebenso zu einem Gerät mit IP66 greifen: die zweite Ziffer ist bis einschließlich 6 aufsteigend definiert, und eine bestandene Prüfung mit dem starken Strahl schließt die mit dem schwachen ein. Nach den Datenblättern trifft das auf 20 weitere Geräte zu. Damit erfüllen 35 der 45 dokumentierten Geräte die Anforderung IP65, obwohl nur 15 sie als Kennzeichnung führen.
Ein Sonderfall steht in der Liste: das Archos X67 ist mit IP68 und IP69K angegeben. Es qualifiziert sich hier nicht über die 8, sondern über IP69K – die Prüfung mit dem Hochdruckstrahl nach ISO 20653 ist schärfer als die mit dem gewöhnlichen Strahl.
Nicht in der Liste stehen die fünf Geräte mit IP67. Das ist kein Versehen: sie sind auf Untertauchen geprüft, nicht auf Strahlwasser, und die Norm lässt diesen Schluss ausdrücklich nicht zu. Wer beides braucht, wählt ein Gerät mit doppelter Kennzeichnung.
| Gerät | Display | Schutzart | MIL-STD | Gewicht |
|---|---|---|---|---|
| Archos X67 5G 128 GB Smartphone | 6,67 Zoll | IP68, IP69K | MIL-STD-810G | 380 g |
| Durabook GC-R8 Zubehör / Bodensteuerungsstation | – | IP66 | MIL-STD-810H | < 1,2 kg (variiert je nach Konfiguration) |
| Durabook R10 Tablet | 10,1 Zoll | IP66 | MIL-STD-810H, MIL-STD-461F [1] | 1,2 kg |
| Durabook R11 Tablet | 11,6 Zoll | IP66 | MIL-STD-810H, MIL-STD-461F [1] | 1,2 kg |
| Durabook R11L Tablet | 11,6 Zoll | IP66 [1] | MIL-STD-810H, MIL-STD-461F [2] | 1,2 kg |
| Durabook R8 Tablet | 8,0 Zoll | IP66 | MIL-STD-810H, MIL-STD-461G | 0,86 kg |
| Durabook U11I Tablet | 11,6 Zoll | IP66 | MIL-STD-810H, MIL-STD-461G | 1,39 kg |
| Durabook Z14I Laptop | 14,0 Zoll | IP66 [1] | MIL-STD-810H, MIL-STD-461G | 3,6 kg (variiert je nach Konfiguration) |
| Getac B360G3 Laptop | 13,3 Zoll | IP66 | MIL-STD-810H, MIL-STD-461G [1] | 2,32 kg |
| Getac F110 G7 Tablet | 11,6 Zoll | IP66 | MIL-STD-810H · MIL-STD-461G | 1,49 kg |
| Getac F110-EX Tablet | 11,6 Zoll | IP66 | MIL-STD-810H | 1,68 kg |
| Getac K120 Tablet | 12,5 Zoll | IP66 | MIL-STD-810H · MIL-STD-461G | 1,7 kg |
| Getac K120-EX Tablet | 12,5 Zoll | IP66 | MIL-STD-810H | 1,7 kg [2] |
| Getac UX10 Tablet | 10,1 Zoll | IP66 | MIL-STD-810H, MIL-STD-461G | 1,15 kg (Tablet, ohne Tastatur-Dock) |
| Getac UX10-EX Tablet | 10,1 Zoll | IP66 | MIL-STD-810H | 1,38 kg [3] |
| Getac V120 Laptop | 12,2 Zoll | IP66 | MIL-STD-810H, MIL-STD-461G | 2,1 kg |
| Getac X600 Laptop | 15,6 Zoll | IP66 | MIL-STD-810H, MIL-STD-461G | 4,41 kg (je nach Konfiguration) |
| Getac ZX10 G2 Tablet | 10,1 Zoll | IP66 | MIL-STD-810H | 906 g |
| RuggON VULCAN 10A Tablet | 10,4 Zoll | IP66 | MIL-STD-810H | 3,2 kg |
| RuggON VULCAN 10X Tablet | 10,4 Zoll | IP66 | MIL-STD-810H | 3,2 kg |
Auffällig ist die Spannweite: von 7 Zoll bis 15,6 Zoll, vom Fahrzeugterminal bis zum Notebook. IP65 ist damit keine Eigenschaft einer bestimmten Bauform, sondern die Schutzart, die sich bei robusten Geräten allgemein durchgesetzt hat.
Ein Notebook hat bewegliche Teile, die sich schwer dicht bekommen lassen: Scharnier, Tastatur, Lüftungsöffnungen bei aktiver Kühlung, Anschlussklappen. Staubdichtheit ist dabei über Dichtungen und Klappen erreichbar. Untertauchen dagegen verlangt ein vollständig geschlossenes Gehäuse – deshalb tragen Tablets ohne Lüfter deutlich häufiger IP67 als Notebooks mit Tastatur.
Dazu kommt der Anwendungsfall. Ein Gerät, das in der Werkstatt oder auf der Baustelle arbeitet, muss Staub und Regen aushalten. Dass es in einen Eimer fällt, ist der seltenere Fall – und dafür sind Fallprüfungen nach MIL-STD-810 die aussagekräftigere Angabe.
Nein, jedenfalls nicht im umgangssprachlichen Sinn. Es ist gegen Strahlwasser geschützt. Wasserdicht im Sinne von untertauchbar beginnt bei der zweiten Ziffer 7.
Ja. Regen ist von der Prüfung abgedeckt, und zwar mit deutlichem Abstand – geprüft wird mit einem gerichteten Strahl, nicht mit fallenden Tropfen.
Abspülen mit einem Schlauch ja, Hochdruckreiniger nein. Anschlussklappen müssen dabei geschlossen sein – bei geöffneter Klappe gilt die Schutzart nicht.
In der Regel nicht. Die Prüfung erfolgt am geschlossenen Gehäuse. Manche Hersteller weisen für einzelne Anschlüsse eine eigene Schutzart aus; das steht dann ausdrücklich im Datenblatt.
Für Wasser ja, im Staubschutz sind beide gleich. Ob der Unterschied zählt, hängt davon ab, ob mit kräftigem Strahl gereinigt wird.
Die zweite Ziffer ist eine Stufenfolge mit festgelegten Prüfungen. Sie einmal vollständig zu sehen macht deutlich, wo IP65 steht:
| Ziffer | Schutz gegen | Prüfbedingung |
|---|---|---|
| 0 | kein Schutz | – |
| 1 | senkrecht fallendes Tropfwasser | 10 Minuten |
| 2 | Tropfwasser bei 15° Neigung | 4 × 2,5 Minuten |
| 3 | Sprühwasser bis 60° zur Senkrechten | mindestens 5 Minuten |
| 4 | Spritzwasser aus allen Richtungen | mindestens 5 Minuten |
| 5 | Strahlwasser aus allen Richtungen | Düse 6,3 mm, 12,5 l/min, 30 kPa |
| 6 | starkes Strahlwasser | Düse 12,5 mm, 100 l/min, 100 kPa |
| 7 | zeitweiliges Untertauchen | 1 m Tiefe, 30 Minuten |
| 8 | dauerndes Untertauchen | Bedingungen nach Herstellerangabe |
| 9K | Hochdruck- und Dampfstrahlreinigung | 80 bar, bis 80 °C |
Die Stufen 1 bis 6 bauen aufeinander auf: was 6 besteht, besteht auch 5. Ab Stufe 7 gilt das nicht mehr, weil eine andere Belastung geprüft wird. Und 9K steht ganz für sich – es ist keine Steigerung von 8, sondern eine eigene Prüfung.
Drei Dinge lohnen den zweiten Blick:
IP65 zu lesen heißt: staubdicht und gegen Strahlwasser geschützt. Es heißt nicht untertauchbar und nicht hochdruckfest. Wer die Schutzart als Auswahlkriterium benutzt, sollte deshalb zuerst festlegen, welche Belastung tatsächlich zu erwarten ist – Staub, Regen, Reinigungsstrahl oder Wasser über dem Gerät – und dann die Kennziffer wählen, die genau diesen Fall abdeckt.