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IP55 im Detail: der Sprung von Spritzwasser zu Strahlwasser erklärt

IP55 liegt zwischen zwei Klassen, die im Sortiment tatsächlich vergeben werden – IP53 und IP65 – und wird deshalb selten als eigenständige Anforderung formuliert, sondern eher als Zwischenwert vermutet. Zu Unrecht: Die zweite Ziffer 5 steht für eine klar andere Prüfung als die 3 oder die 4, und die erste Ziffer bleibt bei IP55 auf einer Stufe, die viele Käufer für höher halten, als sie tatsächlich ist. Dieser Beitrag erklärt, was bei IP55 zwischen den Ziffern 4 und 5 passiert, wo die eigentliche Schwäche der Klasse liegt, und welche Geräte im Sortiment sie nicht erreichen.

Was bedeutet IP55 genau?

Die beiden Ziffern nach IP sind in DIN EN 60529 unabhängig voneinander definiert und werden getrennt geprüft: die erste für Berührungs- und Fremdkörperschutz, die zweite für Wasser. Bei IP55 steht die erste Ziffer 5 für vollständigen Berührungsschutz und Schutz gegen Staub in schädigender Menge. Die zweite Ziffer 5 steht für Schutz gegen Strahlwasser aus einer Düse, aus beliebigem Winkel.

Erste Ziffer 5: staubgeschützt, nicht staubdicht – der eigentliche Haken

Wer IP55 liest, denkt häufig zuerst an die zweite Ziffer – dabei liegt der eigentliche Unterschied zu vielen robusten Geräten im Sortiment bei der ersten. Die 5 bedeutet staubgeschützt: Staub darf eindringen, solange er die Funktion oder Sicherheit nicht beeinträchtigt. Staubdicht, also kein Staubeintritt überhaupt, beginnt erst bei der Ziffer 6. Bei einem Gerät, das über Jahre auf einer staubigen Baustelle oder im Sägewerk arbeitet, macht sich dieser Unterschied bemerkbar: Feinstpartikel, die bei IP55 zulässig eindringen dürfen, sammeln sich mit der Zeit an Lüftungsöffnungen, Tastaturdurchbrüchen und Steckkontakten.

Zweite Ziffer 5: der Sprung von Spritzwasser zu Strahlwasser

Zwischen der zweiten Ziffer 4 (IP54) und der zweiten Ziffer 5 (IP55) liegt ein Wechsel der Prüfmethode, nicht nur eine Steigerung der Wassermenge. Für die Ziffer 4 wird das Gerät besprüht, für die Ziffer 5 wird mit einer Düse von 6,3 Millimetern Durchmesser, 12,5 Litern pro Minute Volumenstrom und 30 Kilopascal Druck aus drei Metern Abstand über mindestens drei Minuten aus allen Richtungen gezielt bestrahlt. Praktisch heißt das: Ein IP55-Gerät hält dem Abspritzen mit einem Wasserschlauch oder an einem Waschplatz stand – ein IP54-Gerät ist dafür nicht ausgelegt.

Was sich zwischen IP54 und IP55 in der Praxis ändert

Der Unterschied wird vor allem beim Reinigen sichtbar. Ein IP54-Gerät darf im Regen stehen, sollte aber nicht mit dem Schlauch abgespritzt werden – ein IP55-Gerät schon. Für Werkstätten, in denen Geräte routinemäßig abgespritzt statt nur abgewischt werden, ist deshalb die zweite Ziffer 5 die relevante Schwelle, nicht die 4. Die erste Ziffer bleibt bei beiden Klassen gleich: staubgeschützt, nicht staubdicht.

Ist ein Gerät mit IP55 wasserdicht?

Nein. IP55 sichert Schutz gegen einen gerichteten Wasserstrahl zu, nicht gegen Untertauchen. Fällt ein IP55-Gerät in eine Pfütze oder einen Eimer Wasser, ist das von der Prüfung nicht abgedeckt. „Wasserdicht" im Sinne von untertauchbar beginnt erst bei der zweiten Ziffer 7.

IP55 gegen IP65: staubgeschützt gegen staubdicht

Bei der zweiten Ziffer sind IP55 und IP65 nicht zu verwechseln: Beide stehen für Strahlwasser aus beliebigem Winkel, geprüft mit demselben Aufbau. Der Unterschied liegt allein in der ersten Ziffer – IP65 ist staubdicht, IP55 nur staubgeschützt. Für Wasser sind beide Klassen also gleichwertig; beim Staub liegt zwischen ihnen eine ganze Stufe. Mehr zur staubdichten Klasse im Beitrag IP65 im Detail.

IP55 gegen IP67: Strahlwasser ist nicht Untertauchen

Auch hier gilt keine einfache Rangfolge. IP67 prüft 30 Minuten Untertauchen in einem Meter Tiefe, nicht Strahlwasser. Ein Gerät mit IP67 hat die Strahlwasserprüfung nicht zwingend durchlaufen – und ein Gerät mit IP55 ist nicht automatisch für Untertauchen geeignet. Wer beides braucht, muss beide Kennzeichnungen im Datenblatt finden.

Wo staubgeschützt im Feld an seine Grenzen kommt

Die häufigste Enttäuschung bei IP55-Geräten hat nichts mit Wasser zu tun. Nach Jahren im Einsatz berichten Anwender gelegentlich von Staubablagerungen an Lüftern oder Anschlussklappen – genau das, was die erste Ziffer 5 im Unterschied zur 6 zulässt. Für Umgebungen mit dauerhaft hoher Staubbelastung, etwa Sägewerke, Zementwerke oder trockene Baustellen, ist deshalb die erste Ziffer 6 (staubdicht) das eigentlich relevante Kriterium, nicht die zweite.

Welche Geräte im Sortiment IP55 nicht erreichen

Von den 45 dokumentierten Laptops und Tablets im Sortiment erreichen 35 die Anforderung IP55 – exakt dieselben 35 Geräte, die auch IP65 erfüllen, denn jedes von ihnen führt als erste Ziffer bereits eine 6 (staubdicht), was die Anforderung der ersten Ziffer 5 automatisch mit einschließt, und die meisten davon zusätzlich Strahlwasser aus beliebigem oder verstärktem Winkel. Eine eigene Tabelle mit diesen 35 Geräten wäre eine Kopie der Liste im Beitrag IP65 im Detail – dort steht sie bereits vollständig. Die übrigen 10 Geräte bleiben unter der Anforderung, aus zwei unterschiedlichen Gründen: Fünf sind mit IP53 oder IP5X angegeben und erreichen die zweite Ziffer 5 damit gar nicht erst. Fünf weitere sind mit IP67 angegeben – staubdicht und auf Untertauchen geprüft, aber ohne dokumentierte Strahlwasserprüfung, weshalb sie hier formal nicht mitzählen, obwohl sie in der Praxis vermutlich auch Strahlwasser aushalten würden.

GerätDisplaySchutzart
Durabook S14I14,0 ZollIP53
Durabook S1515,6 ZollIP53 (optional)
Durabook S15AB15,6 ZollIP5X
Getac S410 G514 ZollIP53
Getac S51015,6 ZollIP53
Fieldbook F57G25,7 ZollIP67
Fieldbook N10110,1 ZollIP67
Fieldbook N80G28 ZollIP67
Getac Atex Ex808 ZollIP67
Getac Zx808 ZollIP67

Häufig gestellte Fragen

Ist IP55 für den Dauereinsatz im Freien ausreichend?

Für Wasser ja, für sehr staubige Umgebungen mit Einschränkung: IP55 hält Regen und Abspritzen aus, lässt aber im Unterschied zur staubdichten Stufe 6 geringe Mengen Staub über längere Zeit zu.

Was passiert, wenn nur eine der beiden Ziffern höher ist als bei IP55?

Beide Ziffern gelten unabhängig. Ein Gerät mit IP65 hat bei Wasser dieselbe Prüfung wie ein IP55-Gerät bestanden, ist beim Staub aber strenger geprüft. Eine höhere erste Ziffer verbessert nicht automatisch den Wasserschutz und umgekehrt.

Kann ich ein IP55-Gerät mit dem Gartenschlauch abspritzen?

Ja, das deckt die zweite Ziffer 5 ausdrücklich ab. Ein Hochdruckreiniger ist davon nicht erfasst – dafür wäre eine höhere Ziffer oder IP69K nötig.

Ist ein IP66-Gerät automatisch auch IP55-tauglich?

Ja, bei Wasser: Die zweite Ziffer 6 (starkes Strahlwasser) schließt die 5 mit ein. Bei Staub sind IP66 und IP55 bei der ersten Ziffer nicht gleich – IP66 ist staubdicht, IP55 nur staubgeschützt, ein IP66-Gerät übertrifft IP55 also in beiden Ziffern.

Fazit

IP55 heißt staubgeschützt, nicht staubdicht, und geschützt gegen Strahlwasser aus beliebigem Winkel. Für Reinigung mit dem Wasserschlauch reicht das – für dauerhaft staubige Umgebungen ist die Klasse nicht ausgelegt, dafür braucht es die erste Ziffer 6. Wer die vollständige Liste der 35 Geräte sucht, die IP55 im Sortiment erreichen, findet sie im Beitrag IP65 im Detail, wo dieselbe Gerätemenge bereits aufgeführt ist.

Weiterführende Ratgeber