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Fallschutz nach MIL-STD-810: Prüfaufbau und Aussagekraft

Auf fast jeder Produktseite für ein robustes Laptop oder Tablet steht eine Fallhöhe: „90 cm“, „120 cm“, „1,80 m“. Diese Zahl allein sagt aber wenig darüber aus, wie ein Gerät tatsächlich geprüft wurde. Der allgemeine Aufbau der Militärnorm MIL-STD-810 ist bereits im Beitrag MIL-STD-810 Laptops und Tablets beschrieben. Dieser Beitrag geht ausschließlich in die Tiefe, was den Fallschutz-Teil betrifft: Wie ein Falltest aufgebaut ist, welche Rahmenbedingungen eine reine Höhenangabe erst einordbar machen, und warum es einen Unterschied macht, ob ein Gerät während des Falltests eingeschaltet war oder nicht.

Was der Fallschutz-Teil von MIL-STD-810 überhaupt prüft

MIL-STD-810 ist kein einzelner Test, sondern eine Sammlung von Testmethoden für unterschiedliche Umgebungsbelastungen. Der Beitrag MIL-STD-810 Laptops und Tablets nennt als eine dieser Belastungsarten den „mechanischen Schocktest“: Das Gerät muss plötzlichen mechanischen Stößen oder abrupten Bewegungsänderungen standhalten. In der Vergleichstabelle für Laptops ist diese Prüfkategorie konkret als „Stürze, Stöße, Vibrationen, Staub, Höhe, hohe/niedrige Temperaturen, Feuchtigkeit“ aufgeführt, gegen die die Durabook S15-, S14I- und Z14I-Modelle nach MIL-STD-810H zertifiziert sind. Der Fallschutz ist also ein Teilaspekt eines größeren Prüfkatalogs, nicht ein eigenständiges Siegel mit einer einzelnen festen Prüfvorschrift.

Wichtig für das Verständnis der später genannten Zahlen: Eine „MIL-STD-810“-Zertifizierung sagt zunächst nur, dass ein Gerät nach den Testmethoden dieser Norm geprüft wurde. Welche Fallhöhe dabei konkret erreicht wurde, welche Kanten und Ecken einbezogen waren und wie oft das Gerät fallen gelassen wurde, steht auf einem eigenen Blatt – und genau das wird in den folgenden Abschnitten eingeordnet.

Der Prüfaufbau im Detail: Fallhöhe, Untergrund, Anzahl der Fälle, Kanten und Ecken

Wie ein Falltest praktisch abläuft, beschreibt der Beitrag MIL-STD-810 Laptops und Tablets im Abschnitt zu robusten Tablets so: „Das sind insgesamt 26 Stürze auf alle Flächen, Kanten und Ecken des Tablets.“ Weiter heißt es dort: „Jedes der sturzsicheren Tablets wird direkt auf mehrere Oberflächen wie Sperrholz und Beton aus mehreren Höhen von typischerweise 1,2 m bis 1,8 m fallengelassen.“ Aus dieser Beschreibung lassen sich die zentralen Prüfparameter eines Falltests ableiten:

  • Fallhöhe: Nicht ein einzelner Wert, sondern typischerweise ein Bereich – im zitierten Beispiel 1,2 m bis 1,8 m.
  • Untergrund: Das Gerät wird nicht nur auf einer, sondern auf mehreren unterschiedlich harten Oberflächen fallen gelassen, etwa Sperrholz und Beton.
  • Anzahl der Fälle: Im beschriebenen Ablauf sind es 26 Einzelstürze, nicht ein einmaliger Falltest.
  • Aufschlagpunkte: Geprüft wird nicht nur die flache Seite, sondern gezielt auch Kanten und Ecken des Geräts, da diese im Alltag besonders häufig zuerst aufschlagen.

Diese vier Parameter zusammen ergeben erst ein vollständiges Bild eines Falltests. Eine Produktseite, die lediglich „sturzfest bis 1,80 m“ nennt, gibt in aller Regel nur den ersten dieser vier Parameter an – den oberen Wert der Fallhöhe. Ob dabei auch auf Beton oder nur auf einem weicheren Untergrund geprüft wurde, wie viele Einzelstürze durchgeführt wurden und ob Kanten und Ecken eingeschlossen waren, lässt sich aus der reinen Höhenangabe nicht ablesen.

Ausdrücklich offen bleibt an dieser Stelle: Die zitierte Beschreibung mit 26 Stürzen, den Untergründen Sperrholz und Beton sowie dem Höhenbereich 1,2 m bis 1,8 m stammt aus dem allgemeinen Abschnitt zu robusten Tablets im bestehenden MIL-STD-810-Beitrag. Für die einzelnen Laptop- und Tablet-Modelle im eigenen Sortiment liegt keine pro Gerät ausgewiesene Dokumentation vor, die diese vier Parameter jeweils einzeln bestätigt – die Produktseiten selbst nennen praktisch durchgängig nur die Fallhöhe.

Warum „Sturzhöhe 120 cm“ allein wenig aussagt

Im eigenen Sortiment finden sich auf Produktseiten ganz unterschiedlich formulierte Fallschutz-Angaben, jeweils ohne weitere Prüfbedingungen:

  • Durabook S15: „IP53-zertifiziert, 4ft (1,2m) Sturzfestigkeit“.
  • Durabook S14I: „Sturzresistent aus bis zu 1,2 Metern (4ft Drop)“.
  • Durabook S15AB: „Sturzfestigkeit: Übersteht Stürze aus bis zu 0,9 m (3 Fuß)“.
  • Getac T800: „Fallschutz aus 1,80 m (6 Fuß)“.
  • Getac X600: „Sturzfestigkeit: Übersteht Stürze aus bis zu 0,9 m (3 Fuß)“.
  • Getac UX10: „Sturzfest: Übersteht Stürze aus bis zu 1,80 m Höhe“.
  • Fieldbook P101: „sturzfest bis 1,2 Meter“.
  • Fieldbook P122 G2: „sturzfest bis 1,22m“.
  • RuggON SOL 7: „sturzfest bis 1,5 Meter“.

Keine dieser Angaben nennt zusätzlich den geprüften Untergrund, die Anzahl der Stürze, ob Kanten und Ecken eingeschlossen waren oder bei welcher Temperatur getestet wurde. Das bedeutet nicht, dass diese Geräte schlechter oder ungenauer geprüft wären als die Tablets aus dem oben zitierten Beispiel – es bedeutet nur, dass die Datenblätter selbst diese Details nicht wiederholen. Zwei Geräte mit derselben angegebenen Fallhöhe von 1,2 m sind deshalb nicht automatisch unter identischen Bedingungen geprüft worden: Ohne Angabe von Untergrund, Fallzahl und Aufschlagpunkten lässt sich aus der Zahl allein keine belastbare Rangfolge zwischen zwei Modellen bilden.

Für die Kaufentscheidung heißt das praktisch: Eine höhere Zahl auf dem Datenblatt ist ein Hinweis auf mehr Reserve, aber kein exakter Vergleichsmaßstab, solange die Prüfbedingungen dahinter nicht bekannt sind. Wer eine belastbare Einschätzung braucht, sollte die Fallhöhe als Orientierungswert lesen, nicht als exakt vergleichbare Kennzahl zwischen unterschiedlichen Herstellern.

Prüfung im Betrieb gegenüber Prüfung im ausgeschalteten Zustand

Ein weiterer Punkt, der aus einer reinen Höhenangabe nicht hervorgeht, ist der Betriebszustand des Geräts während des Falltests. Der bestehende Beitrag zu MIL-STD-810 beschreibt für robuste Tablets ausdrücklich: „Wir schalten jeden fallfesten mobilen Computer für die Tests ein, um die Systemfunktionalität während der MIL-STD-810-Falltests zu messen.“

Der Unterschied ist inhaltlich erheblich: Ein Gerät, das im ausgeschalteten Zustand fällt und danach wieder intakt aussieht, hat lediglich gezeigt, dass das Gehäuse und die verbauten Komponenten den mechanischen Stoß mechanisch überstehen. Ob Mainboard, Speicher, Display und Anschlüsse während oder unmittelbar nach dem Aufschlag weiterhin fehlerfrei funktionieren, ist damit noch nicht belegt. Wird das Gerät dagegen eingeschaltet fallen gelassen und die Systemfunktionalität während des Sturzes beziehungsweise danach geprüft, ist die Aussage weitergehend: Sie bestätigt nicht nur die mechanische, sondern auch die funktionale Widerstandsfähigkeit im Moment der Belastung.

Auch hier gilt eine Einschränkung, die ehrlich benannt werden muss: Die zitierte Aussage zum Einschalten der Geräte während des Tests steht im bestehenden Beitrag im Abschnitt zu Tablets. Ob dieselbe Vorgehensweise – Prüfung im eingeschalteten Betrieb statt im ausgeschalteten Zustand – auch für jedes einzelne Laptop-Modell im Sortiment in genau dieser Form gilt, ist den verfügbaren Produktseiten nicht zu entnehmen. Wer diesen Unterschied für eine konkrete Kaufentscheidung verlässlich wissen muss, sollte diesen Punkt gezielt erfragen, statt ihn aus der allgemeinen Fallhöhenangabe abzuleiten.

Fallschutzwerte im eigenen Sortiment im Überblick

Eine strukturierte Übersicht mit direkt vergleichbaren Werten liefern die Vergleichstabelle Laptops und die Vergleichstabelle Tablets. Bei den Laptops weist die Zeile „Fallschutz bis“ dort folgende Werte aus:

Bei den Tablets zeigt dieselbe Zeile in der Vergleichstabelle Tablets folgende Werte:

Durabook Z14I – laut Vergleichstabelle Laptops Fallschutz bis 180 cm

Auch bei weiteren Geräten im Sortiment, die nicht in einer der beiden Vergleichstabellen geführt werden, sind auf den jeweiligen Produktseiten Fallhöhen genannt, etwa beim Getac T800 (1,80 m), beim Getac X600 (0,9 m), beim Getac UX10 (1,80 m) oder beim Fieldbook P101 (1,2 m). Die Bandbreite von 90 cm bis 180 cm über das gesamte Sortiment hinweg zeigt: Fallschutz ist keine feste Eigenschaft der MIL-STD-810-Zertifizierung an sich, sondern ein Wert, der je nach Geräteklasse und Bauweise unterschiedlich hoch ausfällt.

Was Datenblätter offenlassen – und was das für die Auswahl bedeutet

Zusammengefasst zeigt der Vergleich der eigenen Produktseiten ein wiederkehrendes Muster: Angegeben wird fast immer die maximale Fallhöhe, meist zusätzlich in Fuß umgerechnet, sowie häufig die zugrunde liegende MIL-STD-810-Revision (in der Vergleichstabelle Laptops etwa MIL-STD-810H bei S15, S14I und Z14I sowie MIL-STD-810G beim S15AB). Nicht wiederholt werden auf den Produktseiten dagegen in aller Regel:

  • der geprüfte Untergrund (zum Beispiel Sperrholz oder Beton),
  • die Anzahl der Einzelstürze,
  • ob gezielt auch Kanten und Ecken einbezogen wurden,
  • der Betriebszustand des Geräts während des Falltests (eingeschaltet oder ausgeschaltet),
  • die Umgebungstemperatur während der Prüfung.

Das ist keine Besonderheit einzelner Modelle, sondern ein branchenübliches Muster: Datenblätter sind auf eine kurze, vergleichbare Kennzahl ausgelegt, nicht auf die vollständige Wiedergabe eines Prüfprotokolls. Wer für eine Beschaffungsentscheidung eine belastbare Aussage zu den genauen Prüfbedingungen eines bestimmten Modells benötigt, findet diese Detailtiefe nicht auf der Produktseite selbst, sondern allenfalls im zugrunde liegenden Testbericht des Herstellers.

Fallschutz als ein Kriterium unter mehreren

Fallschutz ist nur einer von mehreren Robustheitsfaktoren, die bei der Auswahl eines robusten Laptops oder Tablets zusammen betrachtet werden sollten. Wie die IP-Schutzklasse gegen Staub und Wasser aufgebaut ist, erklärt der Beitrag IP57 und die weiteren IP-Schutzklassen im Detail. Wie die MIL-STD-810-Zertifizierung insgesamt einzuordnen ist – über den Fallschutz hinaus, etwa bei Vibration, Höhe und Feuchtigkeit – beschreibt der Beitrag MIL-STD-810 Laptops und Tablets. Erst im Zusammenspiel aus IP-Schutzklasse, MIL-STD-810-Zertifizierung und der konkreten Fallhöhe entsteht ein realistisches Bild davon, wie robust ein Gerät für den geplanten Einsatzbereich tatsächlich ist.

Wer ein Gerät für den Einsatz auf Baustellen, in der Werkstatt, im Außendienst oder in der Industrie sucht, sollte die Fallhöhe deshalb immer gemeinsam mit dem übrigen Einsatzprofil des jeweiligen Modells abgleichen – etwa Gewicht, Displaygröße oder vorhandene Schnittstellen, die sich in der Vergleichstabelle Laptops und der Vergleichstabelle Tablets ebenfalls finden.

Häufig gestellte Fragen

Ist eine höhere Fallschutz-Zahl automatisch besser?

Eine höhere angegebene Fallhöhe zeigt zunächst nur eine höhere Reserve gegenüber der geprüften Belastung. Ob zwei Geräte mit unterschiedlichen Fallhöhen tatsächlich direkt vergleichbar sind, hängt zusätzlich von Untergrund, Fallzahl und Aufschlagpunkten ab – Angaben, die auf den Produktseiten in der Regel nicht mitgeliefert werden.

Was bedeutet „im Betrieb getestet“ beim Falltest?

Es bedeutet, dass das Gerät während oder unmittelbar nach dem Falltest eingeschaltet war und seine Systemfunktionalität geprüft wurde – nicht nur, ob das Gehäuse äußerlich intakt geblieben ist. Der bestehende Beitrag zu MIL-STD-810 beschreibt dieses Vorgehen für robuste Tablets ausdrücklich.

Warum unterscheiden sich die angegebenen Fallhöhen zwischen den Modellen so stark?

Die Fallhöhe hängt von Bauweise, Geräteklasse und Zielgruppe des jeweiligen Modells ab. Im eigenen Sortiment reicht die Spanne von 90 cm (etwa Durabook S15AB oder Getac X600) bis 180 cm (etwa Durabook Z14I oder Getac T800) – ein einheitlicher Prüfaufbau über alle Modelle hinweg lässt sich daraus nicht ableiten.

Wo finde ich die Fallschutzwerte aller RobustBook-Geräte im Überblick?

Für die Durabook-Laptops und -Tablets liefern die Vergleichstabelle Laptops und die Vergleichstabelle Tablets die Zeile „Fallschutz bis“ direkt im Modellvergleich. Für weitere Geräte wie Getac, Fieldbook oder RuggON steht die Angabe jeweils auf der einzelnen Produktseite.

Fazit

Der Fallschutz-Teil von MIL-STD-810 ist mehr als eine einzelne Höhenangabe: Erst Fallhöhe, geprüfter Untergrund, Anzahl der Einzelstürze, einbezogene Kanten und Ecken sowie der Betriebszustand des Geräts während des Tests ergeben zusammen ein vollständiges Bild der Prüfung. Die Beschreibung im bestehenden Beitrag zu MIL-STD-810 nennt für robuste Tablets konkret 26 Stürze auf mehrere Oberflächen wie Sperrholz und Beton, aus Höhen von typischerweise 1,2 m bis 1,8 m, bei eingeschaltetem Gerät. Auf den einzelnen Produktseiten im Sortiment – von den Durabook-Laptops über die Durabook-Tablets bis zu Getac-, Fieldbook- und RuggON-Modellen – wird davon in aller Regel nur die maximale Fallhöhe genannt, meist zusätzlich in Fuß umgerechnet. Wer die Fallhöhe als Auswahlkriterium nutzt, sollte sie deshalb als groben Orientierungswert lesen und bei Bedarf gezielt nach den zugrunde liegenden Prüfbedingungen fragen, statt allein die Zahl auf dem Datenblatt zu vergleichen.

Bei Fragen zum Fallschutz oder zur passenden Geräteauswahl für Ihren konkreten Einsatzbereich unterstützt Sie das RobustBook-Team gerne.