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ATEX und Ex-Schutz: wann ein Gerät zonenzertifiziert sein muss

Ein gewöhnliches robustes Notebook oder Tablet hält Staub, Stöße und Spritzwasser aus – aber nicht jede Umgebung, in der ein Gerät „robust“ sein soll, ist damit auch abgedeckt. Wo brennbare Gase, Dämpfe oder Stäube in der Luft auftreten können, reicht ein hoher IP- oder MIL-STD-Wert allein nicht: Hier ist eine eigene, gesetzlich geregelte Zertifizierung nach ATEX beziehungsweise IECEx erforderlich. Dieser Beitrag erklärt, was Explosionsschutz bedeutet, wie die Ex-Zonen eingeteilt sind, in welchen Betrieben zonenzertifizierte Geräte notwendig werden und was ein Ex-Gerät baulich von einem gewöhnlichen robusten Gerät unterscheidet – und zeigt, welche Ex-zertifizierten Modelle im RobustBook-Sortiment für welche Zone zertifiziert sind.

Was bedeutet Explosionsschutz?

Explosionsschutz bezeichnet alle technischen und organisatorischen Maßnahmen, die verhindern, dass in einer Umgebung mit brennbaren Gasen, Dämpfen, Nebeln oder Stäuben eine Explosion entsteht. Eine Explosion setzt drei Dinge gleichzeitig voraus: einen brennbaren Stoff in ausreichender Konzentration, Sauerstoff (in der Regel aus der Umgebungsluft) und eine Zündquelle. Ein elektrisches Gerät – ob Notebook, Tablet oder ein anderes Betriebsmittel – kann selbst zur Zündquelle werden: durch einen Funken beim Stecken eines Kabels, durch elektrostatische Aufladung des Gehäuses oder durch eine zu heiß werdende Oberfläche. Genau deshalb dürfen in Bereichen, in denen mit dem Auftreten explosionsfähiger Atmosphäre zu rechnen ist, nur Geräte eingesetzt werden, die speziell dafür geprüft und zertifiziert wurden. Diese Zertifizierung wird in Europa unter dem Sammelbegriff ATEX geführt – benannt nach der EU-Richtlinie „ATmosphères EXplosibles“ – und international ergänzend durch das IECEx-System abgedeckt, das eine international anerkannte Zertifizierung nach den gleichen Grundprinzipien darstellt.

Für Anwender bedeutet das konkret: Ein Gerät ohne ATEX- beziehungsweise IECEx-Zertifizierung darf in einer entsprechend eingestuften Zone grundsätzlich nicht eingesetzt werden, unabhängig davon, wie robust es sonst gebaut ist. Ein Gerät mit IP66 und MIL-STD-810H übersteht Staub, Regen und Stürze – es sagt aber nichts darüber aus, ob es in einer Atmosphäre mit explosionsfähigen Gasen sicher betrieben werden darf. Das ist der zentrale Unterschied zwischen „robust“ und „ex-geschützt“: Robustheit beschreibt die mechanische und klimatische Belastbarkeit eines Geräts, Ex-Schutz beschreibt, ob ein Gerät in seiner Umgebung selbst zur Zündquelle werden kann.

Wie sind die Ex-Zonen eingeteilt?

Explosionsgefährdete Bereiche werden nicht pauschal, sondern nach der Häufigkeit und Dauer eingeteilt, mit der eine explosionsfähige Atmosphäre dort auftritt. Es gibt getrennte Zonenreihen für Gase, Dämpfe und Nebel einerseits und für brennbare Stäube andererseits:

Zonen für Gas, Dampf und Nebel

  • Zone 0: Bereiche, in denen eine explosionsfähige Gasatmosphäre ständig, über lange Zeiträume oder häufig vorhanden ist.
  • Zone 1: Bereiche, in denen eine explosionsfähige Gasatmosphäre gelegentlich auftreten kann.
  • Zone 2: Bereiche, in denen eine explosionsfähige Gasatmosphäre normalerweise nicht oder nur kurzzeitig auftritt.

Zonen für brennbaren Staub

  • Zone 20: Bereiche, in denen eine explosionsfähige Staub-Luft-Atmosphäre ständig, über lange Zeiträume oder häufig vorhanden ist.
  • Zone 21: Bereiche, in denen eine explosionsfähige Staub-Luft-Atmosphäre gelegentlich auftreten kann.
  • Zone 22: Bereiche, in denen eine explosionsfähige Staub-Luft-Atmosphäre normalerweise nicht oder nur kurzzeitig auftritt.

Ein Gerät, das für eine bestimmte Zone zertifiziert ist, ist ausschließlich für diese Zone und die dort geprüften Bedingungen freigegeben. Eine Zertifizierung für Zone 2/22 bedeutet beispielsweise, dass ein Gerät für Bereiche mit seltener, kurzzeitiger Gas- beziehungsweise Staubgefährdung zugelassen ist – nicht automatisch auch für die deutlich strengere Zone 0/20, in der explosionsfähige Atmosphäre ständig oder über lange Zeiträume vorhanden ist. Welche Zone in einem konkreten Betrieb tatsächlich vorliegt, wird im Rahmen der betrieblichen Explosionsschutzdokumentation vom Betreiber festgelegt.

Welche Betriebe brauchen zonenzertifizierte Geräte?

Explosionsgefährdete Bereiche entstehen überall dort, wo brennbare Gase, Dämpfe, Nebel oder Stäube in der Luft auftreten können – die Ursache ist meist der jeweilige Produktionsprozess oder das gelagerte beziehungsweise verarbeitete Material. Typische Beispiele sind:

  • Chemische Industrie und chemische Verarbeitung: Beim Umgang mit Lösemitteln, Reaktionsgasen oder brennbaren Flüssigkeiten können explosionsfähige Gas- oder Dampfatmosphären entstehen.
  • Lackierbetriebe: Beim Verarbeiten von Lacken und Beschichtungsstoffen können sich brennbare Lösemitteldämpfe in der Luft anreichern, insbesondere in Spritzkabinen.
  • Tanklager und Öl- und Gasindustrie: Bei der Lagerung, Förderung und Handhabung von Kraft- und Brennstoffen sind explosionsfähige Gasatmosphären ein zentrales Risiko – ein Einsatzbereich, für den Getac das EX80 Tablet ausdrücklich mit Zertifizierung für die ATEX-Zonen 0/20 sowie für petrochemische Anlagen ausweist.
  • Mühlen und Silos: Bei der Verarbeitung und Lagerung von Getreide, Mehl oder anderen feinkörnigen Schüttgütern kann brennbarer Staub in explosionsfähiger Konzentration in der Luft auftreten.

Auch in der pharmazeutischen Produktion können bei bestimmten Prozessschritten explosionsfähige Atmosphären entstehen: Getac weist das F110-EX Tablet ausdrücklich für Fachkräfte in der Öl- und Gasförderung, der chemischen Verarbeitung und der pharmazeutischen Produktion aus, die in ATEX-Zonen 2/22 arbeiten. In allen genannten Betrieben gilt derselbe Grundsatz: Sobald in einem Arbeitsbereich mit dem Auftreten einer explosionsfähigen Atmosphäre zu rechnen ist, dürfen dort ausschließlich Geräte eingesetzt werden, die für die jeweils zutreffende Zone zertifiziert sind. Für Betriebe, die generell auf robuste, staubdichte und spritzwassergeschützte Geräte setzen, ohne dass eine Ex-Zone vorliegt, bietet die Übersicht auf Industrie einen Einstieg in das reguläre robuste Sortiment.

Was unterscheidet ein Ex-Gerät baulich von einem gewöhnlichen robusten Gerät?

Ein zonenzertifiziertes Gerät unterscheidet sich nicht nur durch ein Prüfsiegel von einem gewöhnlichen robusten Gerät, sondern durch bauliche Maßnahmen, die dafür sorgen, dass das Gerät selbst unter keinen Umständen zur Zündquelle wird. Aus den Produktangaben der RobustBook-Ex-Modelle lassen sich dazu folgende Merkmale belegen:

Zündschutzart und Kennzeichnung

Das Durabook U11I-EX trägt laut Produktseite die Zertifizierung „ATEX Zone 2/22“ mit der Ex-Kennzeichnung „Ex II 3G Ex ic IIC T4 Gc“ für den Gas-Bereich und „Ex II 3D Ex ic IIIB T135°C Dc“ für den Staub-Bereich. Eine solche Kennzeichnung legt unter anderem die Zündschutzart, die Gerätegruppe, die Temperaturklasse und die Gerätekategorie fest – Angaben, die bei einem gewöhnlichen robusten Gerät ohne Ex-Zertifizierung nicht existieren.

Drahtlose statt gesteckte Verbindungen in Gefahrenzonen

Beim Getac T800-EX wird laut Produktseite gezielt auf drahtlose Sicherheit gesetzt: Bluetooth 4.0 und eine 3D-Antennentechnologie sollen Risiken in Gefahrenzonen minimieren, indem das gefährliche An- und Abstecken von Kabeln in der Ex-Zone vermieden wird. Das Verbinden und Trennen von Kabeln kann nämlich selbst einen Funken erzeugen – ein Risiko, das bei einem gewöhnlichen robusten Gerät ohne Ex-Auslegung keine besondere bauliche Rolle spielt.

Ex-zertifiziertes Zubehör statt Standardzubehör

Ex-Geräte im RobustBook-Sortiment werden mit eigens für den Ex-Einsatz geprüftem Zubehör angeboten statt mit dem Standardzubehör des Basismodells. Für das Getac EX80 wird laut Produktseite eine ATEX-zertifizierte Office-Dockingstation samt Ladegerät für sechs Akkus (Six-Bay Charger) geführt. Für das Durabook R8-EX sind eigene, für die Ex-Variante bestimmte Zubehörteile gelistet, darunter eine „R8-EX ATEX Schutzhülle“ und eine „R8-EX ATEX Displayschutzfolie“, die es für das reguläre R8 in dieser Form nicht gibt. Für das Durabook U11I-EX gilt dasselbe Prinzip mit einer eigenen „U11I-EX ATEX Schutzhülle“ und einer eigenen „U11I-EX ATEX Displayschutzfolie“. Auch das gewöhnliche Zubehör eines robusten Geräts – etwa ein Standard-Akku oder eine gewöhnliche Schutzhülle – ist für den Einsatz in einer Ex-Zone in aller Regel nicht ohne weiteres geeignet, da es nicht für diesen Zweck geprüft wurde.

Zusammengefasst: Während ein gewöhnliches robustes Gerät in erster Linie mechanisch, klimatisch und gegen Eindringen von Staub und Wasser geprüft wird (siehe dazu auch IP57 und die weiteren IP-Schutzklassen im Detail und MIL-STD-810 bei Laptops und Tablets), kommt bei einem Ex-Gerät die Prüfung und Auslegung gegen Zündquellen als eigene, zusätzliche Anforderung hinzu – mit eigener Kennzeichnung, eigenen baulichen Maßnahmen und eigenem, separat zertifiziertem Zubehör.

Welche Ex-zertifizierten Geräte gibt es im RobustBook-Sortiment?

Im RobustBook-Sortiment stehen mehrere Laptop- und Tablet-Modelle als eigene Ex-Variante zur Verfügung. Die auf den jeweiligen Produktseiten genannten Zonen- und Normangaben im Überblick:

  • Getac EX80: Zertifizierung für die ATEX-Zonen 0/20; laut Produktseite konkret „ATEX/IECEx Zone 0/20 und UL913 (Class I/II Division 1)“ – ausgewiesen für die Öl- und Gasindustrie sowie petrochemische Anlagen.
  • Durabook U11I-EX: „ATEX Zone 2/22 zertifiziert“, mit Ex-Kennzeichnung „Ex II 3G Ex ic IIC T4 Gc“ (Gas) und „Ex II 3D Ex ic IIIB T135°C Dc“ (Staub).
  • Getac F110-EX: ATEX- und IECEx-Zertifizierung für Zone 2/22, ausgewiesen für Öl- und Gasförderung, chemische Verarbeitung und pharmazeutische Produktion.
  • Getac K120-EX: „ATEX- und IECEx-Zone-2/22-Zertifizierung“ für den Betrieb in Umgebungen mit entflammbaren Gasen oder Stäuben.
  • Getac T800-EX: ATEX-Zertifizierung für die Zonen 2/22, ausgelegt für Umgebungen mit brennbaren Gasen oder entflammbarem Staub.
  • Getac UX10-EX: Zertifizierung nach ATEX & IECEx Zone 2/22, ausgewiesen für die Öl- und Gasindustrie sowie chemische Anlagen.
  • Durabook R8-EX: eigene Ex-Variante des R8 mit dediziertem, ATEX-gekennzeichnetem Zubehör (Schutzhülle und Displayschutzfolie); eine konkrete Zonenangabe führt die Produktseite dafür nicht.
Durabook U11I-EX – ATEX-zertifizierte Ex-Variante

Auffällig ist, dass fünf der sechs mit konkreter Zone ausgewiesenen Modelle für Zone 2/22 zertifiziert sind – also für Bereiche, in denen eine explosionsfähige Gas- beziehungsweise Staubatmosphäre normalerweise nicht oder nur kurzzeitig auftritt. Einzig das Getac EX80 ist laut Produktseite für die deutlich strengere Zone 0/20 zertifiziert, also für Bereiche mit ständig oder über lange Zeiträume vorhandener explosionsfähiger Atmosphäre. Welche Zone in der eigenen Betriebsstätte tatsächlich vorliegt, ergibt sich aus der jeweiligen betrieblichen Gefährdungsbeurteilung und kann nicht pauschal aus der Branche abgeleitet werden.

Warum ist die genaue Zonenangabe sicherheitsrelevant?

Ein Gerät, das für Zone 2/22 zertifiziert ist, darf nicht ohne weiteres in einem Bereich eingesetzt werden, der als Zone 0/20 eingestuft ist. Die Zonen unterscheiden sich nicht graduell in der „Robustheit“ des Geräts, sondern in der Häufigkeit und Dauer, mit der eine explosionsfähige Atmosphäre im jeweiligen Bereich vorhanden ist – und die Zertifizierung eines Geräts ist exakt auf diese Bedingungen geprüft, nicht darüber hinaus. Welches Gerät für welche Zone tatsächlich geeignet ist, muss deshalb stets anhand der auf der jeweiligen Produktseite genannten Zonen- und Normangabe sowie der betrieblichen Gefährdungsbeurteilung des Einsatzortes entschieden werden – eine pauschale Empfehlung „Zone X passt zu Branche Y“ lässt sich daraus nicht ableiten.

Häufig gestellte Fragen

Ist ein Gerät mit hoher IP-Schutzklasse automatisch auch ex-geschützt?

Nein. Die IP-Schutzklasse beschreibt den Schutz vor Staub und Wasser, sagt aber nichts darüber aus, ob ein Gerät in einer Umgebung mit explosionsfähiger Atmosphäre als Zündquelle wirken kann. Ex-Schutz ist eine eigene, zusätzliche Zertifizierung, die unabhängig von der IP-Schutzklasse geprüft wird.

Was bedeutet die zweite Zahl bei „Zone 2/22“?

Die erste Zahl bezieht sich auf Gas-, Dampf- und Nebelatmosphären, die zweite Zahl auf Staubatmosphären. Ein Gerät mit der Angabe „Zone 2/22“ ist laut den entsprechenden Produktseiten für Bereiche zertifiziert, in denen sowohl eine explosionsfähige Gas- als auch eine explosionsfähige Staubatmosphäre normalerweise nicht oder nur kurzzeitig auftritt.

Kann ein für Zone 2/22 zertifiziertes Gerät auch in Zone 0/20 eingesetzt werden?

Ein Gerät ist ausschließlich für die Zone zertifiziert, für die es geprüft wurde. Zone 0/20 ist die strengere Einstufung mit ständig oder über lange Zeiträume vorhandener explosionsfähiger Atmosphäre; ein Gerät ohne entsprechende Zertifizierung für diese Zone darf dort nicht eingesetzt werden.

Welches RobustBook-Modell ist für Zone 0/20 zertifiziert?

Laut Produktseite ist das Getac EX80 für die ATEX-Zonen 0/20 zertifiziert. Die weiteren im Sortiment geführten Ex-Modelle sind für Zone 2/22 zertifiziert.

Fazit

Explosionsschutz ist kein zusätzliches Robustheitsmerkmal, sondern eine eigene, gesetzlich geregelte Anforderung: Sobald in einem Arbeitsbereich mit einer explosionsfähigen Gas-, Dampf- oder Staubatmosphäre zu rechnen ist – etwa in der Chemie, in Lackierbetrieben, in Tanklagern der Öl- und Gasindustrie oder in Mühlen und Silos – dürfen dort ausschließlich Geräte eingesetzt werden, die für die jeweils zutreffende Zone nach ATEX beziehungsweise IECEx zertifiziert sind. Die Zonen 0/20 stehen dabei für die strengste, Zone 2/22 für die am wenigsten strenge Einstufung. Im RobustBook-Sortiment sind die Ex-Varianten von Durabook und Getac konkret mit ihrer jeweiligen Zonenzertifizierung ausgewiesen: von der Zone-0/20-Zertifizierung des Getac EX80 bis zur Zone-2/22-Zertifizierung von Durabook U11I-EX, Getac F110-EX, K120-EX, T800-EX und UX10-EX. Welches Modell für den eigenen Einsatzbereich in Frage kommt, sollte immer anhand der konkreten Zonen- und Normangabe auf der jeweiligen Produktseite und der betrieblichen Gefährdungsbeurteilung geklärt werden.

Bei Fragen zur passenden Ex-Zertifizierung für Ihren konkreten Einsatzbereich unterstützt Sie das RobustBook-Team gerne bei der Auswahl des geeigneten Modells.